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Der Kaiser von Atlantis
Deutsche Oper am Rhein

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"Hochbegabt und jung: Regisseurin Ilaria Lanzino

Anders als in den rheinischen Nachbarstädten präsentiert die Düsseldorfer Oper das Werk nicht als Kammerstück, sondern stellt es auf die große Bühne, wodurch die Kraft der düsteren Vision erheblich eindringlicher zum Ausdruck kommt. Zumal die hochbegabte junge Regisseurin Ilaria Lanzino mit feinen, immer werknahen theatralischen Elementen arbeitet und auf einen aufdringlichen moralischen Zeigefinger verzichtet. 

Damit entwickelt sie ein spannendes Drama ohne den oft spröden Beigeschmack der meisten Inszenierungen. Hilfreich ist das ebenso einfache wie effektvolle Bühnenbild von Emine Güner, ein raumgreifendes, flexibel wandelbares Geflecht von Seilen und Schnüren, in dem die Figuren wie in einem Spinnennetz agieren oder sich wie von Marionettenfäden gesteuert bewegen. Und die große Bühne nutzt die Regisseurin für ihre präzise Personenführung geschickt aus, so dass sich in keinem Takt ein Anflug von Langeweile einstellt. (...) Insgesamt erfährt das Werk eine beachtliche Aufwertung und lässt Qualitäten erkennen, die man angesichts der oft stiefmütterlich moralisierenden Produktionen kaum vermutet"

nrz

“Regisseurin Ilaria Lanzino schafft eine Inszenierung, die von klarer, wirkungsvoller Symbolik durchsetzt ist. Mit weißen Fäden, die über die ganze Bühne gespannt sind und an Laserstrahlen erinnern, werden Räume und verschiedene Ebenen geschaffen. Im Zentrum der Raum des Kaisers – Thron und Käfig zugleich. Bühnenbild und Kostüme stammen aus einer Hand – von Emine Güner – und erinnern an retrofuturistische Filme von erdfernem Leben, die die grotesk, bizarren Gesten und starren Bewegungen der SängerInnen passend ergänzen.”

Bachtrack

"Nicht minder beeindruckend ist, was Regisseurin Ilaria Lanzino daraus gemacht hat: etwas Zeitloses mit großem Symbolwert. Es ist wahr, Liebe und Tod sind untrennbar miteinander verbunden.“

"Ein unglaublich starker Abend"

"Hier sind alle Gefangene, Verstrickte, an Fäden

Zappelnde oder in Netzen Baumelnde. Alle sind eingesponnen in ihr Ich, ihre Utopien, in

ihre Verblendung. Auch der Kaiser wird der Stricke nicht Herr, obwohl er sich als

Strippenzieher sieht. Wenn er, da der Tod zwischenzeitlich abdankt, die Unsterblichkeit

ausruft, merkt man seine Umnachtung. So ziehen sich die Fäden, diese haarfeinen

Requisiten, zu einer großen Parabel zusammen. Wie so oft erhöht die Zurückhaltung der

Mittel die Eindringlichkeit der Darstellung."

Rheinische Post

“Eine grandiose Inszenierung, die völlig überzeugt”

Theaterkompass

" Es ist einer dieser Abende, denen alles gelingt: berauschende Traurigkeit. Ein famoses Ensemble: auf der Bühne – im Graben. Eine famose Inszenierung – beginnend in einer Art von Spinnwebe, die alles und jeden einfängt und kein Entkommen duldet. (...) Die Inszenierung – behutsam irgendwie – spart, wie auch die Musik, Effekte aus: alles wirkt schlüssig: auch das zurückgenommene Spiel der Akteure. Die Bilder: eindringlich – eindringend – ruhig. Irgendwie ist alles auf eine stille Art perfekt. Es ist, denkt man, kaum besser zu machen. Man wird hineingezogen in dieses Labyrinth der Ausweglosigkeiten."

niederrheinische Nachrichten 

"In Düsseldorf spürt die Regisseurin alledem nach und findet für den Hall der Apparate, das Melodrama der Repräsentanten und für das Singen der Menschen beglaubigende Gesten, Bewegungen und Zeichen, wie das hinter dem bramarbasierenden Kaiser aufscheinende aufgeblasene Videoportrait seines schwarz uniformierten Oberkörpers. (...)  Dass mit dem eigenen fraglichen Dasein der zwei Autoren ebenso das der anderen Gefährdeten in und außerhalb Theresienstadts ihre Rollen haben und sich mittels Figuren und Szene äußern, macht die Regie nicht aufdringlich, aber eindringlich sichtbar. (...) Regie, Szene und Licht (Thomas Diek) beschwören die stete Aura des Unheilvollen, in dem alle sprechen und sich bewe-gen, mal drastisch und komisch, mal lärmend und leise, miteinander heillose Existenzen.

Tragödie und Komödie liegen so eng beieinander, wie Tod und Harlekin sich nahe sind. (...)

Der Beifall des Publikums beglaubigte, wie sehr es Geist und Zeichen der perfekten Aufführung berührt haben."

ioco

"Ilaria Lanzino gelingt mit ihrer Inszenierung eine schlüssige und nachvollziehbare Deutung der Geschichte, die das menschenverachtende Verhalten des Nazi-Regimes und die lebensunwürdigen Umstände der KZ-Insassen geschickt in eine Parabel verpackt. Dabei kommt die Inszenierung nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, vielmehr bringt die Regie die ursprüngliche Kammeroper mit feinem Gespür auf die große Bühne des Opernhauses und beleuchtet auch das Zusammenspiel von Leben und Tod auf eindrucksvolle Weise. Hierbei werden nur vereinzelt und an der richtigen Stelle große Bilder benutzt, so z. B. bei der Rede Overalls, die von einer großen Videoprojektion des Kaisers begleitet wird. Ansonsten sind es auch die kleinen Momente, die besonders gefallen. Auch das Schlussbild kann überzeugen (...) Abschließend an dieser Stelle ein dringender Aufruf an die Opernfreunde im Lande: „Hallo, hallo! Die Deutsche Oper am Rhein zeigt eine vermeintlich kleine Oper mit großer Wirkung, die auf der großen Bühne ihre ganze Kraft entfalten kann. Schaut es euch ruhig mal an."

Der Opernfreund

"Der Tod lässt sich sehr hübsch am Rand der Bühne nieder, wenn er die Arbeit verweigert, und betrachtet die ohne ihn überforderte Welt mit einem gehörigen Maß an Ironie. Da werden Figuren durchaus gebrochen und wandlungsfähig gezeichnet (...) Was die Personenführung, die Lichtregie und den szenischen Mikroorganismus anbelangt, so tut Lanzino viel Gutes"

Kölner Stadt Anzeiger

"Die Produktion an der Oper am Rhein in Düsseldorf kann davon (...) in einer klugen, dezenten Inszenierung auch szenisch überzeugen. (...)  Overall selbst ist der markante Bariton Emmet O’Hanlon, den die Regisseurin als durchaus zweiflerische, zagende Figur zeigt: Hinter der Goldfarbe im Gesicht ein Mensch wie der Soldat und das Mädchen, Sergej Khomov und Anke Krabbe. Am menschlichsten aber sind das Leben und der Tod: das Leben der gleißende, durchschlagende Tenor und Harlekin David Fischer, der Tod der sanfte Finsterling Luke Stoker, der sich nach der Arbeitsniederlegung am Rand der Bühne häuslich niederlässt. Dass beide am Ende erstrahlen, die Arbeitskleidung (schwarzes Cape, Rautenkostüm) wieder wie neu, ist die optimistischste Lesart, die sich hier bietet: Leben und Tod können weitermachen wie immer."

Frankfurter Rundschau

Regie: 10/10

Orpheus, Nov/Dez 2020 Ausgabe

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